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Eine Betrachtung der Lampentruhe der etwas "anderen Art" (Auszug aus der Mai-Ausgabe der Kreuzberger Chronik, verfasst von Hans Korfmann).


Foto: Michael Hughes

... Drinnen brennen alle Lampen. Hunderte. Es glitzert wie Weihnachten. Aber vor der Tür hängt ein Schild "Geschlossen". Weil Herr Schneider irgendwann bemerkt hat, dass mehr Leute reinkommen, wenn er "geschlossen" hat.

"Diese Lampe da, die hab ich bei Ebay für 85 Euro gesehen", sagt eine Kundin und deutet auf einen Kristallleuchter unter der Decke. Es stehen Möbel, Skulpturen und Stehlampen wie gigantische Pilze in dem Geschäft in der Gneisenaustraße, aber das meiste hängt an der Decke. Kristallleuchter, Zugleuchten, wie sie über Billardtischen hängen und deren Züge über unzählige Rädchen laufen, riesige Tiffany-Gläser; italienische Designerleuchten; Lampen in der Form eines "Flying Donat", eines Schneekristalls oder eines vereisten Tannenzapfens.

"Und bei dem Lampenladen am Kudamm kostet sie 120,-", sagt die Kundin. Aber mit Frauen streitet Schneider nicht. Er tritt etwas näher an sie heran und flüstert "Wissen Sie, was ich für diese Lampe im Einkauf bezahle? Und wissen Sie, dass ich der einzige bin, der diese Lampen importiert?" Die Kundin merkt, dass sie mit ihren billigen Tricks bei Schneider keine Chancen hat und geht. Schneider blufft nicht, Schneider kennt sich aus in dem Geschäft. ...